Herausforderungen
Die so genannten High Growth Markets sind daran, aus ihrer Rolle als «günstige Outsourcing-Standorte» heraus zu wachsen. Sie entwickeln sich zu konkurrenzfähigen Wettbewerbern auf vielen Ebenen der Wirtschafts- und Unternehmensbeziehungen. Ein Heer von Ingenieuren wetteifert um Marktanteile, qualifizierte Forscher suchen innovative Produktideen.
Aus der Sicht von Analysten ist damit die dritte Phase der Globalisierung angebrochen. Durch Wachstum und Übernahmen treten immer mehr Firmen aus den Wachstumsmärkten auf die Weltbühne. Konzerne wie Lenovo, Tata, Lukoil oder Petrobras agieren als Global Player - auf Augenhöhe mit etablierten multinationalen Konzernen.
Brasilien, Russland, Indien und China profitieren von diesen Entwicklungen
Brasilien - 2007 übersprang Brasilien im Warenexport erstmals die Schwelle von 160 Milliarden US-Dollar und ist Primus in Lateinamerika. Mit gewachsenen Devisenreserven löste es vorzeitig die Verbindlichkeiten über rund 15 Milliarden US-Dollar gegenüber dem IWF ab.
Russland - Russland baut seine Stellung in der strategisch wichtigen Rohstoff- und Energiewirtschaft aus.
Indien - Mit Investitionen in Forschung und Entwicklung von 21 Milliarden US-Dollar hat sich Indien unter die forschungsstärksten Nationen der Welt geschoben. Die Pharma- und Biotechnologiebranchen gehören bereits zur Weltspitze.
China - Seit China seine Märkte 1978 für Auslandsinvestitionen öffnete, haben international agierende Konzerne mehr als 500 Milliarden US-Dollar investiert. China hat Frankreich und Grossbritannien überholt und ist zur viertgrössten Volkswirtschaft und zur drittgrössten Handelsnation der Welt aufgestiegen.
Chancen und Herausforderungen für schweizerische Unternehmen
In das Blickfeld von Investoren geraten zunehmend die grossen Binnenmärkte. Rund 2,7 Milliarden Menschen - über 40 Prozent der Weltbevölkerung - leben in den vier wichtigsten Wachstumsmärkten. In ihnen bildet sich eine dynamisch wachsende Mittelschicht. Bereits verfügen mehrere hundert Millionen Chinesen und Inder über ein Einkommen auf westlichem Niveau.
Im Jahr 2008 exportierten Schweizer Unternehmen Waren für rund 6,1 Milliarden Schweizer Franken nach China - 330 Prozent mehr als im Jahr 2000. China (ohne Hongkong) stieg damit für Schweizer Unternehmen zur Nummer 2 des asiatischen Exportmarkts auf, nach Japan und Hongkong. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht - vielmehr wachsen die Investitionsströme auch in umgekehrter Richtung. Ausländische Unternehmen investierten im Jahr 2008 in der Schweiz mehr als 200 Milliarden Schweizer Franken.
Mit der zunehmenden Komplexität der eigenen Wirtschaftssysteme stehen die Nationen vor wachsenden Herausforderungen. Nur wenn sie Tempo und Effekte der wirtschaftlichen Entwicklung erfolgreich meistern, können die von Ökonomen geschätzten «drei Milliarden neue Kapitalisten» in den Wachstumsmärkten dauerhaft Erfolg haben.
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Jörg Walker
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